Der Komponist und Produzent Holger Dohme aka. Critical Affairs ist ein musikalisches Arbeitstier, das seine musikalischen Projekte reifen lässt und die Perfektion seiner Produktionen anstrebt. So dauerte die Entstehung seines Albums Into Space ganze 6 Jahre, womit der Grundstein für dieses Opus im Jahr 2013 gelegt wurde. Stilistisch handelt es sich bei diesem Werk um eine Mischung aus Drum ‘n’ Bass, Electro, Future Sound mit einer ordentlichen Portion Science Fiction. Das 14 Track umfassende Album ist bereits via Bandcamp beziehbar und wird am 25. Oktober 2019 offiziell über die gängigen Vertriebswege veröffentlicht. Widmen wir uns nun dem vorliegenden Material. 

Wenn man den Titel des Opening-Tracks Smartphone Zombies ließt, so wirkt dies von Beginn an schon einmal direkt wie eine Kritik an der übertechnisierten Gesellschaft, verseucht durch Social Media und stets den Blick auf das technische Gerät gerichtet, welches stets dabei ist und das was drumherum geschieht, schnell vergessen lässt. Eingeleitet mit einem Sprachsample aus einem Film, eröffnet der Track mit Drumbeats, wie sie dem ein oder anderen vielleicht von Cybotron’s legendärem Track Clear bekannt vorkommen müssten. Die Musik baut sich progressiv, langsam auf, ein Synth-Orgel-Spiel wird langsam eingefaded und gibt zusammen mit dem Bass und einigen Sphären das musikalische Grundgerüst des Tracks, der sich durch sein Sounddesign und die Beispiellose Kreativität des Holger Dohme auszeichnet. Generell erinnert das hier vorliegende musikalische Material an eine gekonnte Fusion aus Electro, Drum ‘n’ Bass und Eingangserwähnt Future Wave, bzw. Future Sounds. Die mystisch düstere Klangkulisse, welche sich im Hörraum aufbaut beweist, daß der hier amtierende Musiker nicht nur ein guter Komponist, sondern auch ein sehr talentierter Sounddesigner ist. Hervorragend im Hier und Jetzt, ist auch der zweite Titel Sounds From Yesterday, bei dem Critical Affairs sich direkt steigert und den anfänglichen Spannungsbogen, weiter aufspannt. Diesmal hört man den ordentlchen Drum ‘n’ Bass Anteil besonders an der Rhythmusfraktion heraus. Generell ähnelt sich das Sounddesign auf keinem der Tracks auf dem Album Into Space. Auch hier beweist Mastermind Holger Dohme absolutes Potenzial, Kreavität und Herzblut und erschafft eine musikalische Geschichte, die keine Sprache benötigt, da die verwendeten Sounds und die Konzeption alles auf ihre Art erzählen. Langatmig ist hier nichts und so vergeht die Zeit wie im Fluge. Weiter geht es mit dem absoluten Drum & Bass kracher War Pigs (We Just Killed You), der zunächst mit einem kompliziert klingenden, typischen Drum ‘N Bass Sound und musikalischem Minimalismus auskommt. Verzerrte Synthesizer, verzerrte Voice Samples und eine bombastische Schlagzeugarbeit, geben hier die Richtung vor. War der verwendete Drumbeat anfangs noch sehr elektronisch, setzt er hier auf akustische Elemente und so verhält sich dies auch auf dem nächsten Soundtrack My Virus Love You. Begleitet von D’n’B typischen Akustikdrums, eröffnet ein Synthesizer mit einer Menge “Attack” dann die Nummer. Sphärische Synthesizerklänge und ein seichtes, nicht aufdringliches Bassriff leiten die Nummer ein, wobei letzteres den Track zum tragen bringt. Die Percusive Front des Titels, ist interessant ausgeschmückt worden und so macht auch dieses 180 BPM schnelle Erlebnis, obgleich seines dargebotenen Minimalismus eine gute Figur. Weiter pumpt Critical Affairs seinen futuristischen Sound mit Bi-Directional aus den Boxen. Auch hier wird mitsamt einer, nennen wir es mal “Helicoptermäßigen” Grundierung des Basssounds gearbeitet, die zusammen mit den leichten Leadparts ein kurzes Intermezzo bieten und dem nächsten, sinister anmutenden Titel Garage dem Weg ebnen. Beschleunigter Experimenteller Drum ‘n’ Bass, der durch seinen Experimentellen Anstrich und sein Klangkleid die Spannung aufrecht erhalten kann. Hier beweist Holger Dohme absolute Fingerfertigkeit, was die Leadparts an seinen Tasteninstrumenten anbelangt und lässt ein düsteres Sounddesign aus den Boxen des Hi-Fi Systems (oder der Kopfhörer) kommen. Die musikalische Darbietung ist höchst experimentell und Divers. Maschinell und ebenso im finsteren Synth-Jargon geht die nächste Into Space ins Ohr, die sich zwar den vorausgegangen Titeln in Sachen der Konzeption bedient, aber durch seine Komposition und das Sounddesign absolut von den anderen Titeln auf dem Album abhebt. Sprachsamples, Verzerrte Lead-Synthesizer, mystische Synth’s im Hintergrund, machen diesen Song zu einem perfekten Soundtrack wenn man gerade etwas Action erwartet. 

In Your Face eröffnet mit einem verzerrten Synthesizer und klingt dabei fast schon wie eine Art “Future-Rock” Auch hier ist der Drum ‘n’ Bass Ansatz, den Critical Affairs darbietet allgegenwärtig und kommt souverän aus den Boxen. Durch eine Menge spielerischer Variation und Breaks, schafft Mastermind Holger Dohme es auch hier, den Bogen der Spannung straff angezogen zu halten und man wartet schon, was einem als nächstes überrascht. Wie auch bei den vorausgegangen Titeln, sind die Voice-Samples hier ein Element, welches zur Auflockerung des Arrangements einen vernünftigen Break bieten. Into Space kommt mit träumerischen Leadsynhtesizern und einem druckvollen, pulsierenden Bass aus den Lautsprechern. Hier handelt es sich um einen Titel der aufgrund seiner Konzeption und ob seines Facettenreichtum’s direkt in die Ohren der Electroheads wandert und im Gedächtnis hängen bleibt –  auf der einen Seite energisch, auf der anderen Seite ruhig und Geheimnisvoll. Industrial kommt direkt zur Sache und eröffnet mit einem energischen Bass, minimalistischen Leads und mind. 180 Beats per Minute. Wer hier auf den Sound und das Arrangement eingeht, der wird folgendes feststellen: Der Name ist Programm. Mit trancigen Synthesizern empfängt uns Behind The Black Rainbow ein Titel, der zunächst im gemäßigten Tempo aus den Boxen kommt und eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Generell bestehen manche Songs essenziell aus dem selbem Riffing und scheinen in gewisser Weiße aufeinander aufgebaut zu sein. So klingt Behind The Black Rainbow wie ein Interlude zu Down On Earth, der mit einem Gitarrensound und minimalistischen, elektronischen Drums und aufwändigen Riffs wieder eine zügigere Seite von Critical Affairs aufzeigt. Rasant schnell geht es dann wieder mit Endless Rave zu. Auch hier sind die Drums eher minimalistisch und nicht bombastisch gehalten. Auch hier ist der Aspekt aus Future Sounds, allgegenwärtig und passt auf das eingängige Arrangement, wie die Faust auf’s Auge. Ein wenig erinnert der Lead Synthesizer an die Filmmusik von Blade Runner, die sich stets im Loop wiederholt. Zum grande Finale bietet Critical Affairs den 14. Track The Lower Side, der das beste aus dem musikalischen Kosmos des Holger Dohme in sich vereint. Verzerrte Synthesizer, Drum ‘N’ Bass Sounds und ein interessantes Arrangement, machen diesen Titel zum gelungenen Abschluss nochmal interessant. 

Fazit 9 von 10 Es ist nicht verwunderlich, dass Critical Affairs sich bei der Konzeption seiner Musik ordentlich Zeit nimmt, so setzt er mir auf gekonntes Sounddesign und auch wenn manches in Dauerschleife zum Einsatz in den unterschiedlichen Tracks auf Into Space kommt, wird dieses elektronische, clubtaugliche Album zwischen Drum ‘n’ Bass, electro und Future Sounds zu keiner Sekunde langweilig. Es ist absolut kein Wunder, dass die Titel auf Critical Affair’s neuem Album Into Space auch als musikalische Begleitung zu einigen Videospielen verwendet werden, eignen sie sich doch bestens als Soundtrack. Fans des gut gemachten Drum ‘n’ Bass, der jeden Trends strotzt, sollten sich unbedingt den 25. Oktober in den Kalender eintragen, denn an diesem Datum ist der offizielle Releasetermin. Solange könnt ihr euch die Wartezeit mit den unten angefügten Links verkürzen.

Review von Philipp – Philipp@she-wolf.eu

Critical Affairs im Netz:

Critical Affairs bei Facebook:
https://www.facebook.com/CriticalAffairs/

Critical Affairs bei Bandcamp:
https://criticalaffairs.bandcamp.com/

 

Reviews

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *