Review: DROPSHARD – „Silk“ (Neo Progressive Rock)

Mit etwas ganz Besonderem, das wiedermal daher kommt, wo „Frederico von seiner Mama zum Essen zitiert wird…“, – mit Italien haben wir es heute zu tun. Die Neo-Prog-Rock Band Dropshard , die auch mit dem Symphonic-Rock liebäugelt. Okay, genug der doofen Witze über den „Miracoli“-Werbespot, hier geht es ja immerhin um Musik und durch den Eindruck des ersten Antestens kann ich sagen, dass hier was ganz Besonderes auf euch wartet und von folgenden Menschen realisiert wurde:   Enrico Scanu (Vocals, Flute),  Sebastiano Benatti (Guitars),  Valerio De Vittorio (Keyboards),  Alex Stucch i (Bass Guitar) und zu guter letzt  Tommaso Mangione (Drums).

Cover4000 Lauscht man den ersten Tönen des neuen Albums der 2007 gegründeten italienischen Formation, so ist man wirklich angenehm überrascht. Dropshard zeigen sich auf dem Erstlingssong „Insight“ ausgesprochen experimentierfreudig, ja fast schon perfektionistisch, was die Auswahl der Klänge angeht, dass man ihnen unmöglich streitig machen kann, Musiker mit vollem Einsatz, Liebe zum Detail und Leidenschaft zu sein. Die ersten Töne der Eröffnungsnummer „Insight“  sind jedenfalls irgendwie ein wenig hypnotisch um es (hoffentlich) vernünftig auszudrücken. Elektronische Klänge und ein Chorgesang geben den Weg für einen Rock frei, der sich in diesem Genre durch seine Eigenwilligkeit abhebt. Die Band hat eine unglaublich starke Klangbühne auf Platte gebannt. Mit einsetzen des Gesangs, ist die Bassgitarre das Hauptmerkmal der Musik. Gitarren betonen das ganze im cleanen Akkord-Riffing und mit wirklich guten Lead-Solos (verzerrt). Ein wenig erinnert mich diese Band an eine etwas schwerere Version von Coldplay . Was neben dem Sound der Musik (die wirklich professionell gespielt wurde) vielleicht ein wenig am Aufbau liegt? Keine Angst, der weinerliche Klang von Chris Martin ( Coldplay ’s Sänger) bleibt euch erspart und der Dropshard -Sänger ist ein Meister auf seinem Gebiet. Er gibt den lebendigen Arrangements, Melodien und Klängen noch die nötige Restseele durch seinen kräftigen, hellen, weichen aber nicht zu soften Gesang. Bei dem schönen Song „Eyes“  werden euch hören und sehen vergehen. Verträumte Keyboards, groovende Bässe und lässige Drums bilden das Grundgerüst, welches seicht und mit viel Hall versetzter Gitarre betont wird. Die Band hat eine poppig-rockige Attitüde und heavy ist ganz klar was anderes, aber sie machen Spaß und schreiben Songs, die man nicht einfach nur hört, nein man erlebt sie richtig. Selbst bei den Gitarrensolos setzt die Band auf Vielschichtigkeit, denn hier wird gleich auch ein Keyboardsolo in der selben Melodie mit einem wirklich coolen Klang beigemischt. Auch am melancholisch klingenden „Cell 342“ gibt es nichts auszusetzen. In der Frage des Arrangements und des Sounddesigns sind Dropshard echte Sieger. Der Song hat den Charakter einer Ballade, die sich aber nach einem guten Viertel in einen ziemlichen Heavy-Rocker verwandelt. Da ist er also, der Rock-Anteil und auch das bringt die Band auf steinstarke Tour rüber. Wenn auch nur häppchenweise, denn nach wenigen Augenblicken wird der Track wieder seicht und lebt nur von seinen Keyboards, dem Gesang und den simpel eingebetteten Gitarren. Zum Heavy-Spiel fügt die Band noch eine Rockorgel hinzu und Dropshard überzeugen mit dieser Nummer endgültig. „Tied Together“ ist auch ein ganz klarer Gewinner, wenn es um die Summe des Ganzen geht. Jedoch kann der Anfang des Titels ein wenig nerven, da ziemlich langatmige Elemente den Song zieren und man sich fragen muss, wann es denn endlich mal zur Sache geht. Die Synthesizer zu Beginn klingen wie von einem anderen Stern und Dropshard erweisen uns die Ehre, tiefe Einblicke in ihre Klangwelt erhaschen zu dürfen. Bei ihrer Musik und der Inszenierung selbiger, gehen Dropshard keine Kompromisse ein. Es handelt sich bei dieser Band wirklich um eine Combo, die ihr wirklich mal hören müsst. Man kann einfach die Essenz der Musik nicht genau ausdrücken, da soviele Elemente und so viele Kleinigkeiten diese Band so wunderbar machen, dass es nicht einfach ist, auf jedes Detail präzise einzugehen. Ich kann nur sagen, dass Dropshard bis jetzt alles sehr, sehr gut gemacht haben. Mit knapp etwas über Zwei Minuten, ist der Track „Seat“ wohl eher als kurze, sphärische Einlage zu sehen (aus fast nichts anderem besteht er auch), diese ist aber auch nicht wirklich was Besonderes und schlussendlich ein Minuspunkt. Unplugged schieben Dropshard auch eine Nummer. Das musikalisch nur auf eine Akustikgitarre setzende  „Perpetual Dream“  lässt Enrico Scanu ’s  ohrgasmischen Gesang so richtig in den Mittelpunkt geraten und beweist, was für ein Sangeswunder er doch ist. Und obgleich seiner Spielzeit von weniger als zwei Minuten, bildet „Get Out And Run“  eine gute Steigerung des Ganzen. Gesänge sind zwar präsent, aber keine Lyrics. „Wohoooo-hooohooo“ ist wohl der einzige Text, den man dazu notieren könnte. Wie eine endlose Strasse kommt einem „The Endless Road“ wirklich vor. Auch wenn die Band mal wieder ganze Arbeit geleistet hat, scheitert der Song doch ein wenig daran, dass wieder ein gleichförmiges Konzept gefahren wurde und auch wenn das gut ist, verliert es hier doch ein wenig an Reiz. Woran das genau liegen mag, kann ich nicht beurteilen. Der Song ist gut, – keine Frage, aber man kann auch als Progressive Rock-Band die Songs unnötig in die Länge ziehen und somit verkommt das Ganze zum Einschlafhörspiel. Die Wörter nehmen die Jungs mir mit „Less Is More“ aus dem Mund, wenn man es auf den vorherigen Song bezieht. Weniger ist manchmal wirklich mehr. Allerdings muss ich sagen, dass die Vocoderstimme hier zwar auf der einen Seite interessant ist, der abwechslungslose Glockenspielsynth und die nervige Anwendung der Vocoded Voice ein klein bisschen voll auf den Sack gehen kann. Kommen wir mit „Maya“ aber wieder zu den Stärken des Albums. Ein klein wenig (vom Sound her), meine ich, eine Huldigungen an Placebo zu erkennen. Ein kühler, elektronischer Drumbeat baut die schön symphonisch progressive Rocknummer perfekt auf. In gekürzter Fassung ist dieser schöne Song mit poppiger Attitüde sogar was fürs Radio. Der Refrain verursacht bei dem ein oder anderen sicher einen Ohrwurm. Die Leistung der Lead-Gitarre ist mal wieder genial. Der durchaus präsente, aber sparsam verwendete Flötensound gibt dem Ganzen einen gewissen Ethno-Touch. Die Power des Titels liegt aber ganz klar im Refrain. Das starke „Memento“ verursacht anfangs zugegebenermassen ein starkes Verlangen, den Titel einfach weiter zu skippen. Würde man dies jedoch in Erwägung ziehen, würde man definitiv was Tolles verpassen. Sphärische Untermalung begleitet von vielschichtigen Elementen, straightem, fetten Bass, zügigen Drums und intelligent angewandten Effekten. Natürlich wird im melodisch gesungenen Refrain wieder mächtig drauflosgerockt, bis die Schwarte kracht. Ein für sich ist das ein starker Progressiv-Rocker, der sich zuerst heimtückisch anschleicht, um dann die Beute mit heftigem Rock zu erlegen. „Libra Me“ lässt mich spontan an „Klosterfrau Melissengeist“-Musik denken. Ich würde die Gesänge da als keltisch betiteln. Dunkle Keyboardflächen begleiten das Ganze, die ab der Mitte von einem antreibendem Klavier begleitet werden. Gegen Ende kommen elektronische Drumbeats hinzu. „Klosterfrau Melissengeist“ the F***ING RMX! Nein, – Scherz bei Seite, die Band ist wirklich gut!

Fazit: 8 von 10 Punkten.  Ein wirklich starkes Album, das zwar nicht immer so ganz zündeln will, aber dennoch anspruchsvollen Musikfans, die es auch poppig mögen, mehr als zu empfehlen ist. Teilweise erkenne ich Gemeinsamkeiten mit Placebo . Ob das jedoch nur für mein Befinden ist, ist rein subjektiv und ich nehme mir nicht die Arroganz heraus, das jetzt hundertprozentig zu bestimmen. Was ich jedoch (und da könnt ihr mich gerne arrogant nennen) sagen werde, ist, dass Dropshard ein wirklich gelungenes und alles in allem zufriedenstellendes, progressives, symphonisches Werk abgeliefert haben. 

 

Review von Philipp – 

 

Internet:

Dropshard – Offiziell