Review: GOTHIK SERPENT – „Interloper“ (Progessive Rock)
Dass Art Rock-/Progressive Rock-Projekt Gothik Serpent , des aus Singapur stammenden Musikers Kerwin Tsang ist weit mehr als „einfach nur“ guter, progressiver Rock, sondern ist fast schon ein Gesamtkunstwerk. Denn auch die Aufmachung der Illustrationen hat bei dieser Formation große Priorität. Für die Musik ist Tsang nicht alleine zuständig und so hat der talentierte Songschreiber tatkräftige Unterstützung ins Studio geholt. Gesungen werden die Songs beispielweise von Tricia Isabela. Mastermind Kerwin Tsang (der für das Songwriting und den Bass zuständig ist) wird von den weiteren Gastmusikern Tom Graham – Guitars, Yuichi Ikeda – Drums, Lee Worley Raby – Saxophones, sowie Andrew Berg – Synth Programming, tatkräftig unterstützt.
„Direct Fright“
ist ein Song, der sich alleine schon mal in Sachen Mix durchaus behaupten kann. Mit Sängerin
Tricia
fand Kerwin die perfekte Stimme für sein Projekt. Wenn man jetzt noch die Arbeit der Musiker einzeln betrachtet, so ist die Wahl sicherlich nicht rein dem Zufall überlassen worden, denn die Band harmoniert wunderbar zusammen. Keyboards, die das Ganze nicht künstlich aufblähen und dem Bass, der Gitarre und vor allem dem Gesang nicht die Show stehlen, aber die auch unverzichtbar sind. Kräftiger Bass und flüssige Drums verhelfen in diesem Song schon zu einem ersten, sehr positiven Eindruck. Der Titeltrack
„Interloper“
zeigt das Projekt von einer elektronisch angehauchten Seite. Akustische Drums, treffen auf Synthesizer-Bässe und kreischende Gitarren. Im Refrain wird der Bass wieder rein rockig/funkig und dabei bleibt er auch den Song konstant über. Die Gitarrenriffs sind auch gut. Die Drums sind sehr simpel und die Keyboards sehr minimalistisch. Der Gesang ist mal wieder ohne Makel und vertont einen Text, bei dem man nur zustimmend mit dem Kopf nicken kann. Die Gitarre bekommt durch das kurze, aber catchy Solo noch ein wenig mehr Beachtung und sticht kurzerhand doch etwas mehr hervor. Vor allem der Wechsel zwischen elektronischer- und Rock-Instrumentierung kommt sehr gut. Mit einem blitzschnellen Bassolo, das wie selbstverständlich gespielt wird, dass der Boden bebt, werden wir mit
„Interceptor“
(nicht zu verwechseln mit dem vorherigen Titel) vertraut gemacht. Hier wird der progressive Anteil sehr deutlich. Gitarrensolos nach bluesiger Art geben der komplett instrumentalen 6-Minuten-Fahrt ihre ganz persönliche Note und das auch erst dann, als das Leidenschaft versprühende Saxophonsolo einsetzt. Der Wechsel zwischen beiden Elementen kommt fast schon genial. Das Spiel des Pianos erinnert stellenweise an… MAFIA. Mystisch wird es mit
„Spectral Scepter“
. Sein unruhiger, progressiver Takt lassen ihn bedrohlich erscheinen. Die düsteren Keyboardflächen verdichten diesen Eindruck auch noch. Gitarren, die rocken und ein punchiger Bass, der ganz klar dominiert, machen das apathische Spiel zum Kraftpaket. Als Sängerin
Tricia Isabela
wieder einsetzt, schalten
Gothik Serpent
wieder einen Gang runter, um im Refrain zusammen mit ihr wieder voll auf die Heavyfelsen zu donnern. Dabei nimmt die experimentierfreudige Band aber keinen Schaden, sondern die Felsen halten der Schallwelle eher nicht stand und zerschmettern in tausend Stücke. Wenn es darum geht, Musik zu machen, die zu keinem Zeitpunkt langatmig (und schon gar nicht langweilig wird), sind
Gothik Serpent
doch sehr gut vorbereitet. Der nächste Titel,
„The Last Lindsey“
ist abermals vollstens zufriedenstellend. Auch wenn er doch ein wenig leicht ist und irgendwie wie schnell „zusammengeflickt“ wirkt. Dafür ist mit dem schleichend ankommenden
„K Terminal“
wieder mehr als für Gutes gesorgt. Tolle Melodien treffen auf eine wunderbare Umsetzung. Auf knapp sieben Minuten bekommt der Hörer eine Menge progressiven Art Rock geboten, der fast schon analytische Qualität besitzt. Bläsersounds treffen auf besten Bass und Streicher, welche der Gitarre das Tor zur Heavy-Hölle öffnen. Wer hier jedoch auf Gesang wartet, wird dumm aus der Wäsche schauen. Der Song ist rein instrumentaler Natur. Zum krönenden Abschluss kommt nochmal das beste auf
„Everything Will Fall“
zusammen. Das Beste aus Bass, das Beste aus Sängerin, das Beste aus Gitarre, Drums, Keys und vor allem dem Arrangement. Dass hier, wie auch bei (fast) allen anderen Songs, Leidenschaft und Liebe zur Musik bis ins letzte Detail steckt, ist ohne Zweifel ein standfester Fakt. Zum Ende wird einem mit rockiger Attitüde und künsterischer Experimentierfreudigkeit noch mal ein toller Song geboten, der schon beim antesten Spaß machte.
Fazit: 8 von 10 Punkten. Bis Auf EINEN schwachen Moment ist diese Produktion zwischen progressivem Rock und Art Rock wirklich gut und nicht ausser Acht zu lassen. Obgleich ich stellenweise zugeben muss (vielleicht sind das Cover und die Promobilder dafür verantwortlich), könnte diese Produktion als Soundtrack für Anime-Sendungen im Rockgewand – oder eben für J-Rock und Anime-Fans selbst gemacht worden sein. Vergleiche kann ich hier irgendwie keine nennen – sorry.
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