Review: KANT FREUD KAFKA – „No Tengas Miedo“ (experimentell)

Eine Produktion, die so wirkt, als sei das Gesamtpaket mehr Kunst als einfach „nur“ Musik, ist das neue Werk „No Tengas Miedo“ des Spanischen Prog Rock-Projektes Kant Freud Kafka . Übersetzt heisst „No Tengas Miedo“ schlicht und einfach „fürchte dich nicht“. Da nehmen wir Kant Freud Kafka beim Wort und stellen uns mutig dem Songmaterial. Die knapp fünf Songs, könnte man fast als Prog Rock-Oper bezeichnen. Zwar sind längere Titel in diesem Genre nichts ungewöhnliches, aber diese Länge von immerhin mehr als 15 Minuten bei ein, zwei Titeln ist schon beeindruckend. Ob das Ganze nur unnötig in die Länge gezogen wurde oder durchaus Sinn ergibt, finden wir jetzt heraus.

KentFroidKafkaNoE2CO „Principio“ nimmt euch auf eine geheimnisvolle, magische Reise in Synthesizer-Klangsphären mit. Chorgesänge treffen auf eine dunkle Klangkulisse, die das Flair des Artworks perfekt zu vertonen scheint. Nach knapp einer Minute weicht dieses düster Bedrohliche einem schönen, bitter-süssen Klavierspiel, welches zusammen mit den elektronischen Drums, der verzerrten Flanger-Gitarre und den funkigen Effekten eine Mischung aus klassischen und modernen Sounds bietet. Orgelsounds untermalen wenige Augenblicke, nachdem sich das Ganze aufgebaut hat, ein ambitioniertes Gitarrensolo, das wiederum einem 80er-Synthesizer-Effekt weichen muss, der auch nicht verschwindet. Progressivität in ihrer besten, wenn auch in seichter Form, bietet der Opener schon. Kant Freud Kafka lieben es scheinbar zu experimentieren, denn das ganze Album ist ein einziges Klangexperiment, das durch das Spiel toller Melodien seinen Ausdruck verliehen bekam. Das vorhin erwähnte Klavier kommt beim Beginn von „Dama“  wieder zum Einsatz und zieht seine Aufmerksamkeit durch schöne Melodien, wie sie kein Pianist besser hervorbringen könnte, auf sich. Cello-Sounds, die sich an das Spiel anschmiegen, versetzt mit Violinenklängen, bauen eine abermals wundervolle Klangbühne auf. Hier handelt es sich um Musik, auf die man sich noch voll und ganz konzentrieren muss. Der Detailreichtum ist zu jeder Sekunde auf dem Album  „No Tengas Miedo“ gegeben. Erinnert mich der zweite Song zwar zugegebenermassen zum Teil an Fahrstuhlmusik, so kann man aber auf jeden Fall unterstreichen, dass kompositorisch und produktionstechnisch ein Top-Level erreicht wurde. Es sind Songs zu denen man sich eine eigene Geschichte erdenken muss, denn auf Gesang wartet man vergebens. Dafür gibt es mächtig viel Abwechslungsreichtum: Flötensounds, Glockenspiel, Akustikgitarren. Durch diesen Reichtum an ausgefeilten Spieltechniken und Klängen wird keiner der Songs langweilig, sondern bleibt spannend. Ein Schlagzeug gibt es erst nach 6 Minuten zu hören und dieser Song klingt mehr nach progressiv-experimenteller Musik, als nach Rock im eigentlichen Sinne. Ist es deshalb aber schlecht? Nein! Auf keinen Fall und auf den Rock müsst ihr natürlich auch bei diesem Track nicht ganz verzichten, denn ab etwas mehr als der Hälfte entpuppt sich der zuständige Gitarrensolo-Meister als Magier in seinem Fach. Doch irgendwie gibt es hektische Taktunregelmäßigkeiten beim Schlagzeug, sobald das Solo etwas länger läuft. Doch ist es, obgleich der Tatsache, dass es mehr experimentell-progressiv und weniger Rock ist, schlecht? Nein! Es ist ein wirklich schönes Stück Musik, was Kant Freud Kafka da veröffentlicht haben, dessen spitze Umsetzung man eigentlich nicht ausreichend in Worte fassen kann. Also lass ich es mal so stehen, dass sich diverse Instrumente (sei es nun synthethisch oder analog ist Wurst) und deren Klänge in Form von erstklassigen Melodien vereinen. Das selbe gilt auch für das bös‘-bedrohliche „Viajes“ . Depressive Streicher treffen auf hoffnungsverlorene Klaviermelodien, die ein wenig tragisch daherkommen. Immer stärker kommt die Vermutung auf, dass es sich bei dem Instrumental-Album um ein akustisches Theaterstück handelt. „Viajes“ entwickelt sich jedenfalls zum funky groovig lässigen Song, bei dem dieser „schwirrende“ Synthesizer jedenfalls leider ein wenig zu nerven beginnt, zumindest nach einer gewissen Zeit. Da ändern auch die funkigen Gitarren, der funkige Bass und die Orgel, sowie Pianoklänge nichts dran. Als das Gesurre jedenfalls aufhört, ist die funkige Klangkulisse perfekt und versetzt euch irgendwie in Porno-Musik aus den 70ern (…sorry, das hört sich so an). Die Klangelemente an sich bleiben fast immer die selben, also kann ich noch sagen, dass „Antitesis“ noch besser als alle Songs bisher gefällt, wenn es um die Frage der Melodien, des Einsatzes der Instrumente und des Arrangements geht. Der Song hört sich an, als würde ein Alptraum (Anfang) in einen himmlischen Traum und zurück verwandeln. Hier setzen jedoch Bass und Drums wieder schneller ein. Nach Porno-Musik klingt das hier aber zum Glück nicht mehr, sondern eher nach einer Art von Fantasy-Rock. Eine Hommage an die 70er und 80er sozusagen. Gitarrensolos sind auf dem Album, wie bereits erwähnt, der gelungene Puderzucker auf einem schmeckenden Leckerbissen. Der letzte Song „Hombre“ nimmt euch mit ans Meer und sorgt mit seinen tragisch gespielten Klavierparts für eine bedrohliche Stimmung, die aber wieder ins Fröhliche umschwenken will. Ein einziger Gitarrenton wird zwischendrin ständig wiederholt und das kann leider schon ein wenig nerven. Okay, das Synthesizersolo dazu ist natürlich mal wieder ein echter Knüller, aber ich komme über dieses BAM BAM BAM BAM BAM BAM BAM BAM nicht drüber hinweg. Das war eindeutig zuviel des Guten. Aber nach der Hälfte des Songs hört dieser unnötige Effekt jedoch wieder auf und Kant Freud Kafka besinnen sich wieder auf ihre Stärken. Rockiges, vermischt mit Avantgarde im progressiven Flair. Gegen Ende nimmt der Rock auf einmal drastisch zu (zumindest kurzerhand) und es hört sich an, wie 70er Hard-Rock, wenn mich meine Sinne nicht ganz täuschen. Aber auch dieser Ausflug wird wieder von majestätischer Sounddesignerei weggejagt. Gegen Ende bleibt ein Daumen nach oben! 

Fazit: 7 von 10 Punkten.  Eine faire Wertung für eine starke Produktion, bei der es darum geht, zuzuhören und die Musik auf sich wirken zu lassen. Wer jedoch hier an was ausschliesslich Rockiges denkt, der wird enttäuscht. Die Musik kann zwar hier und da durchaus rocken, ist jedoch sehr Avantgarde-lastig und eher was für Leute, die Wert auf komplexe Soundexperimente legen.

Review von Philipp – 

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