Review: NOT OTHERWISE SPECIFIED – „Projective Instruments“ (Progressive Rock)

Eine der stärkeren progressiven Formationen aus Atlanta (Georgia/USA) sollen die Mannen  Craig Kerley – Vocals, Guitar, & Keyboards,  Ben Daniels – Guitar,  Brian Arnold – Guitars & Backing Vocals,  Keith Tuggle – Bass,  Jeff Wheeler  – Drums & Backing Vocals und  Marty Gelhaar – Keyboards, oder auch nicht anders angegeben,  No Otherwise Specified sein. Ihr von Bands wie Pink Floyd oder Spock’s Beard beeinflusster Rock soll sich schon bei Einigen beliebt gemacht haben. Ob dies auch stimmt oder gerechtfertigt ist, dass zeigt sich am Ende dieser Rezension. 

NotOtherWiseSuspektetHarvestSoulAlbumDingsDa Radioeffekte dominieren die Einleitung von „Harvest Soul“ , welches natürlich nach dem 08/15-Schema klingt. Schlagartig wird die Musik in druckvollem Stereo umgesetzt. Interessante Synthesizer begleiten energische Gitarren und Double-Bass-Groove-Drums. Allerdings ist die Struktur des Songs ein wenig befremdlich auf die Tatsache hin, dass der Song gleich mit extrem verspielten Soundeffekten und einem ellenlangen Gitarrensolo eröffnet wird. Der Verse-Part, bei dem es Gesang der guten Art zu hören gibt, setzt die Band auf Keyboards, die mit dem Bass zusammen ein fast schon konstruiertes Konzept ergeben. Im Refrain schaltet sich die schwere Gitarre wieder hinzu und ergibt somit ein orkangleiches Soundgepuste. Zugegeben: Der erste Track ist durchaus empfehlenswert, doch fehlt irgendwie das gewisse Etwas. Doch wartet mal, „Hold On“  macht mit Orgelsounds und einer fast schon als 1970’s Melodic Rock zu bezeichnenden Atmosphäre schon einen gewissen Reiz aus. Doch immer das selbe Riff im Hintergrund macht auch den Spaß dieser Nummer fast gänzlich wieder zu Nichte und nur der Akustikpart mit einem emotionalen Akustikgitarrensolo machen den Song doch wieder ein wenig stärker. Die Orgelparts im Hintegrund sorgen für ein gewisses Classic Rock-Feeling. Im Dreivierteltakt und mit einem mächtig brummigen Bass bekommt ihr es auf den ersten Takten von „Falling“ zu tun. Von der Instrumentierung gesehen, ist der Song mit den gleichen Elementen nicht viel anders, als die übrigen Nummern. Aber man kann sagen, dass dies das erste Zugpferd im Rennen ist. Der Einfluss von Psychedelic-Legenden wie Pink Floyd ist Not Otherwise Specified anzumerken. Verdeutlicht wird das mit dem schönen, kurzen und zweiminütigen Stück  „Sorbert“ , das aus einer wunderschönen, geil gespielten Chorus-/Akustikgitarre und Synthiesounds, sowie Flötensounds zusammengesetzt wurde und aufgrund der düster-fröhlichen Mischung eine kleine, aber feine Show abhält. Mit fast 25 Minuten ist das mächtige „Racing Shadows“  ein Klangerlebnis in Überlänge. Mit den üblichen Elementen einer Ballade, präsentieren Not Otherwise Specified eine poppige, schöne Ballade aus Klavierklängen, Streichern und seichten Keys / Synths. Sänger Craig Kerley singt sich hier mit viel Gefühl die Seele aus dem Leib. Selbstverständlich wird auch dieser Song schnell zum Rocker und präsentiert sich in seiner ganzen Pracht und Stärke. Synthesizer-Sounds, die mit ihrem 80er Sound für ein gewisses Retro-Flair sorgen, eröffnen die nicht ganz so schwerwiegenden Rockanteile. Neben der Leistung des Sängers, soll auch die fabelhafte Arbeit der Gitarren, des Bassisten, natürlich die des Drummers und die des Synthesizers nicht unerwähnt bleiben. Das hier ist ein schönes, großes Stück vom guten, leckeren Prog Rock-Kuchen. Mit verspielter Musik und komplexen Einlagen ist hier ein Song herausgekommen, der hervorsticht und zu keiner gegebenen Minute langweilig oder gar überdrüssig wird. Mit ganz viel Liebe zum Detail und Power präsentieren Not Otherwise Specified hier ein musikalisches Kunstwerk. Geil sind auch die Leadparts des Keyboarders, die Solos desjenigen sowie dieselben des Gitarristen. Ein Gesangssolo gibt das Signal für „Caveat“  frei. Wer jetzt vermutet, dass der Song noch richtig losgeht… Nein! „Caveat“ ist rein Accappella. Das heisst, es gibt nur Gesang und ich frage mich ob man sich hier als Barbershop-Quartett versuchen wollte, denn zumindest ein wenig erinnert es daran. Gesanglich hat die Band es auf jedenfall drauf und auch der Text ist gut. Aber die Lyrics bei dieser Band sind grundsätzlich von sehr guter Sorte, demnach ist das hier nichts Besonderes, ausser, dass der Gesang schön ist. „Signal To Noise“ muss man anfänglich ein wenig wörtlich nehmen, denn die beginnende Sequenz besteht aus nichts anderem als lärmendes Wirr-Warr und wild zusammengemixten Radio-, TV- und Funk-Sequenzen. Dieser lärmende Spaß ist aber Gott sei dank nur von kurzer Dauer und ein Pianospiel versprüht mit dem maßgeblich dafür verantwortlichen Gesang mächtig Harmonie. Streichersynthesizer und Akustikgitarren im Lead-Part lösen dies ab und der Track strahlt eine Ruhe aus, die vermutlich  auf die fantastisch eingespielten Parts und die Instrumentierung zurückzuführen ist. In der 2. Minute wird dezent ein Schlagzeug zum Song beigemischt und der Gesang verfeinert ab hier das gesamte Bild endgültig. Der Noise kommt ab knapp der Hälfte zurück und alles bis dato aufgebaute, wird mit einem wunderbaren Gitarrensolo abgelöst. Der Song ist sowohl in der rockigen Art ebenso gut, wie in der akustischen Version. Strange finde ich jedoch die elektronische Einlage, die überraschend kommt, so als ob man sich nicht entscheiden konnte, wie das ganze Stück nun doch am Ende klingen soll. Aber letzteres schwächt das ganze doch irgendwie wieder ab, auch wenn diese Geschmacksverwirrung  nur von kurzem Bestand gezeichnet ist. Ab knapp 5 Minuten ist der Name Programm und es gilt der Satz: oft ist weniger mehr. Zum Abschluss wird der Titel noch mal ruhiger aber leider muss man dazu sagen, kann er sich nicht mehr ganz retten. 

Fazit: 6 von 10 Punkten.  Gut gemeinte 6 von 10 sind eine faire Wertung. Noch nie habe ich mir so schwer getan, ein Album zu bewerten. Vieles ist wirklich super, vieles aber auch wieder gänzlich seine Wirkung verfehlend. Leider. Jede Kritik ist immer rein subjektiv und bezieht sich auf den Standpunkt des jeweiligen Rezensenten, der sich dem Album annimmt. Vielleicht hat die Band ihren guten Ruf zu Recht verdient. Sie haben sicher Einiges zu bieten. Für mich ist das jedoch eine Produktion, die ich mir nicht so oft anhören kann. Sorry

Review von Philipp –