Review: OKTOR – Another Dimension of Pain (Doom Metal / Death Metal)
Eine Reise eine andere Dimension des Schmerzes könnte man wörtlich nehmen, wenn man das Debütalbum der bereits 2003 gegründeten Doom & Death Metalband Oktor aus Polen, zum ersten mal unter die Lupe nimmt. Da wäre zum einen das künstlerische, aber triste Cover und der Titel Another Dimension Of Pain , welcher einem schon beim ersten antesten der Tracks, schon das Gefühl bekommt, dass der Titel alles sagt. Wie wir das meinen? das könnt ihr jetzt herausfinden!
Beim lauschen des ersten zweiminütigen Titels Another , ist nichts schmerzahft, sondern bittersüß. Ein dumpfes Pianospiel klingt so unscheibar, als wenn man sich dabei einen gruseligen Raum vorstellen muss, indem eine noch gruseligere Gestalt diese Töne in die Tasten haut. An und für sich, ist dies eine fast schon zynisch-sarkastische Einleitung eines knochenbrechenden Heavy Albums, die fast schon hämisch und hinterfotzig den Deckmantel über die Heavyness von Oktor legt, doch dabei deprimierend und verkümmert wirkt. Der Tod enttarnt sich mit dem nahtlos übergegangenen Conscious Somatoform Paradise aber doch. In einer kurzen Einleitung, werden Schwermütig kurze Akkorde gespielt, die von einer Tremelo-Hall Gitarre unterbrochen werden, nach einem kurzen Drumbreak, geht es Doomtypisch im sehr langsamen, schleppenden Tempo los, doch das hat hier eine gewisse Wirkung, die euch den Schmerz ganzer Dimensionen fühlen lässt. Der Monströse Gesang, klingt wirklich abartig böse. Die Lead Gitarre, gibt hier den Ton an und macht dies in langsamen 4 Griffen je Riff. Nach einem Break wird es ruhiger und der Bassist spielt eine 2-stufige Arpeggiofolge, die von der Lead Gitarre ohne verzerrer träumerisch begleitet wird. Nach apokalyptisch anmutenden Phrasen des Leadsängers (hier klingt er menschlich), entfacht die Band ihren zornigen Charakter erneut. Doom Metal in seiner besten Art. Die Stimmung des Basses und Gitarre, ist hier sehr tieftönig und verursacht ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit (im positiven Sinne). Leider ist die Leistung des Drummers hier eher als – geht klar – zu bezeichnen, denn die langsamen Takte zeigen nicht, wie hoch sein Potenzial wirklich ist. Sicher er beherrscht sein Instrument und geht in perfektem Zusammenschluss mit dem Rest der Band. Tiefe Keyboardlayer untermalen den Track hier und da ein wenig. Natürlich gibt es hier auch sowas wie ein Solo… Gegen Ende der 11-minütigen Odysee, kommt die Lead Gitarre zum Einsatz und als kenner des Genres Doom Metal, welches ja langsamer ist (is klar gell?) weiß man ja, wie das manchmal wirkt, aber hier ist es doch teilweise etwas zu langsam, als das man (wie auch schon beim Drummer) jetzt besondere Fähigkeiten erkennen könnte.
Dimension ist wieder eine kurze Instrumentale Klaviernummer, welche die erste sogar toppt und mit seinem leiblichen Flair im Kontrast zum Doomlastigen Metalanteil, wie eine liebliche Harmonie wirkt. Die Pure Schönheit, könnte eine passende Beschreibung sein. Nicht ganz so schleppend Langsam wie beim Opener beschrieben, stellt sich der nächste Titel Mental Paralysis heraus. Erstmal können wir eine akustische, tieftönige Flangergitarre im Zusammenspiel mit klargesang belauschen, was fast schon psychedelische Züge annimmt. Der Lead-Teil, kommt hier vom Keyboarder und der zaubert eine schöne Cellolandschaft in das Klanggemälde. Verträumte Keyboards gesellen sich als dritte Stimme der Instrumente hinzu und stellen somit eine wunderschöne Klanglandschaft dar, die immer reichhaltiger zu werden scheint. Die Stimmung schwenkt ab der dritten Minute schlagartig um durch einen dämonischen Schrei unterbrochen zu werden und im Doom Metal Gewand rauszukommen. Schlafparalyse (wie der Titel auf Deutsch heißt), trifft es in vielerlei Hinsicht. Denn vom Stimmungsbild, könnte man wirklich erst in einer Traumwelt der Idylle sein und dann den Horror durchmachen. (Bei einer Schlafparalyse, nimmt man die Umgebung in der man schläft war und meist wird Alptraumahftes gezeigt) Und in anderer Hinsicht: Bei einer Schlafparalyse kann man sich auch / oder nicht bewegen und genauso kommt einem das vor, wie die Mannen von Oktor hier spielen und auch wenn es sich hier um eine Mentalparalyse handelt, verhält es sich ähnlich. Dies meine ich natürlich nur verglichen mit schnelleren Metalgenres, denn hier wird auch wieder eine ordentliche Portion dargeboten, aus kräftigen Bässen und heftigen Drums. Das melodiöse Lead-Riff der Gitarre (und Bass), bleibt hier am besten hängen und zusammen mit dem teuflischen Gesang, sind Oktor hier doch eine ordentliche Doom-Kapelle, die im Grunde genommen zufriedenstellt. Mir persönlich wird der Song etwas zu langatmig. Ja ich weiß, das ist Doom Metal, aber auch in diesem Genre, weiß man ab wann man die Variation setzen sollte, damit es nicht zu langatmig wirkt. Einen Umschwung hinsichtlich anderer Riffs, also die soeben erwähnte Variation, gibt es nach über 6 endlos wirkenden Minuten. Oktor muss man aber eines zu gute halten: Sie haben einen wirklich geilen Sänger und tolle Ideen sowieso. Auch der Mix und das Master von Another Dimension Of Pain überzeugen auf ganzer Linie. It’s Doomsday denke ich mir jedenfalls beim Lauschen ab Minute Sieben. Hier überraschen Aktor mit einem satanischen Orgelsound, der sich passend an das Arrangement anschmiegt, um dann ab Minute Acht so zu wirken, als wären sie der Mental- oder Schlafparalyse endgültig verfallen. verdammt ist das belanglos und langweilig und Negativ deprimierend. Gegen Ende hört man einen langgezogenen Streicherton, welcher mit einem billigen kurzen Pianospiel, den Song ausblendet. Ernsthaft? sowas muss 17 Minuten dauern? die Hälfte der Spieldauer, hätte dem Titel bestimmt keinen Abriss getan.
Mit Of , haben wir wieder ein liebliches Klaviergeklimper auf den Ohren, welches zwar gut gespielt ist, nach 55 Sekunden aber verfliegt und fliesend in den nächsten Track, nämlich Hemiparesis Of The Soul übergeht. Vom Schema her, erinnern Oktor hier an den vorherigen Titel. Weicher Klargesang gepaart mit einer ziemlichen geilen Leadgitarre und einem nervigen Wirr-Warr-Riff (Das den Charakter einer Alarmsirene hat) im Hintergrund. Klargesang und Guttural-gesang wechseln hier gut inszeniert ab. Aber das gedröhnte im Hintergrund ist dermaßen nervig, dass man sich durch den Song regelrecht kämpfen muss, um ihn Fair zu bewerten. An Wechsel und Variation mangelt es hier allerdings nicht, an Spannung leider schon und wie schonmal erwähnt: Auch wenn das hier DOOMMetal ist, es gibt guten und es gibt Mittelmäßigen und es gibt aber auch wiederrum schlechten. Oktor schaffen dabei genau den Spagat zwischen beiden Extremen.
Pain ist noch einmal ein letztes, kurzes, Feines Klavierstückchen bei dem der Pianist ganze Arbeit und beweist Talent und Können. So und wer jetzt aufgepasst hat, der wird folgendes feststellen (An dieser Stelle 2 Zeilen überspringen, wenn ihr selbst drauf kommen wollt) Alle Namen der Kurzen Klaviertitel, ergeben zusammengelesen den Namen des Albums. Coole Idee, für die es gleich mal einen Punkt gibt!
Mit Knapp Fünf Minuten Spielzeit, ist der letzte Titel des Albums, Undone verhältnismäßig Kurz. Ein Pianospiel, zusammen mit einer lieblichen Klargesangsstimme, werdet ihr hier erleben können, was den krassen Kontrast zum schweren Metalgeschütz darstellt. Ich konnte keinen Metal erkennen, sondern fast schon klassisch-poppiges Gemisch, für das ich aber gerne einen weiteren Punkt vergebe und sage. Gut gemacht!
Fazit: 5 von 10 : Nun… so sehr ich mich auch Bemühe, dieses Album ist ein Paradoxon, ein einziges Paradoxon. Another Dimension Of Pain: Dieser Name ist Programm. Die Platte ist schmerzhafter, gestandener Doom Metal mit ordentlich Death Einflüssen. Das Arrangement versaut den Genuss nur wie sau. Ich gebe euch an dieser Stelle einfach mal den Rat, selbst reinzuhören und der Band eine Chance zu geben. Ich mag manche Aspekte ihrer Musik selbst. Andere wiederrum gehen über meinen Verstand.