Live Review: DORO / Luke Gasser Band, Dornbirn, Conrad Sohm
Also eins gleich mal vorweg: das
Conrad Sohm
in
Dornbirn
ist wohl eine der geilsten und lässigsten Locations in Österreich, mit jeder Menge Ambiente, Wohlfühlgarantie und Professionalität. Da passt einfach alles, keine arroganten Securities, ausnahmslos nettes Personal, geiler Sound und tolle Atmosphäre. Da macht ein Konzert gleich doppelt und dreifach Spass! Nun, am 28. November 2014 war das „Sohm“, wie es die Dornbirner liebevoll nennen, gerammelt voll, Metal-Queen
DORO
hatte sich angesagt und sie brachte ihren Tour-Support, die
Luke Gasser Band
, mit.
Nachdem der Schweizer Maler, Bildhauer, Regisseur, Autor, Sänger, CVP(!)-Politiker, Kulturfunktionär, Gitarrist und Komponist Luke Gasser schon 10 Alben veröffentlicht hat, war man in freudiger Erwartung gespannt, was der urige Obwalder Hans-Dampf-In-Allen-Gassen wohl live kredenzen wird. Tja… er mühte sich redlich ab, vor dem Spiegel geübte Rockposen darbietend, die Leute zum Mitsingen auffordernd… aber irgendwie sollte sich Luke Gasser entscheiden, – entweder macht er neben seinen tausend anderen Tätigkeiten die Musik endlich mal g’scheit, oder er lässts besser bleiben. Warum? Billiger Drei-Akkord-Rock, immer wieder gleich arrangiert, keine echten Melodien, die hängenbleiben und eine Band, die sich live zwar bemüht, aber hörbar irgendwie zu selten probt. Zig Spielfehler und Gasser an der Gitarre eine glatte Fehlbesetzung. Sorry, aber das war leider nix. Dafür singt er super, hat eine ausdrucksstarke Stimme und auch irgendwie Charisma. Aber das genügt nicht, um im Vorprogramm vor Doro bestehen zu können…
Dann nach einer kurzen Umbaupause die Metal-Queen
DORO
: man merkte vom ersten Ton an, dass die Band tight zusammengespielt ist, pure Spielfreude und eine nimmermüde Frontfrau, die nach 30 Jahren in der Obeliga alle Register ihres Könnens von Beginn an mühelos zog. Das war vom ersten Ton an eine absolut internationale Darbietung, alle Achtung! International auch die Gäste: als
Doro
ihre Stamm-Fans in den ersten Reihen, die scheinbar von Konzert zu Konzert mitreisen, fragte, woher sie denn kommen, kamen als Antworten durchs vorgehaltene Micro Frankreich, Ungarn, Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz, Belgien… Geil! Und alle sind sie ins ehrwürdige „Sohm“ gepilgert, um ihre Metal-Queen abzufeiern. Und die bedankte sich bei ihren Fans mit einem überlangen Konzert mit allen Hits, griff tief ins Songarchiv mit
„Burning The Witches“
, knallte uns
„Raise Your Fist“
vom neuen Album um die Ohren, präsentierte eine interessante und vor allem geile Version von
Judas Priest
’s
„Breaking The Law“
und zelebrierte gemeinsam mit den Fans eine lange Version ihres Welthits
„All We Are“
.
Klar, Doro ist eine absolute Profi-Performerin, ist ja schon sehr lange im Geschäft und sehr lange in der Oberliga, da stimmt einfach alles, da gibts kein einstudiertes Posing oder kalkuliertes Outfit, da ist alles echt, alles ehrlich und 100% Maximum Rock’n’Roll! Und das merken auch ihre Fans, die sie abgöttisch verehren, fast alle Songs mitsingen und frenetisch Zugabe um Zugabe fordern. Und auch da lässt sich Doro nicht lumpen und spielt eine Zugabe nach der anderen… Sie weiss, was ihr Publikum wünscht und sie weiss, was sie unsterblich macht: ihre coolen Songs, ihre Authentizität, ihre Ehrlichkeit und die Treue ihrer Fans. Und das schon seit 30 Jahren! Respect!
Aber auch die Musiker in ihrer Band sind der absolute Hammer. Obwohl sie alle schon gestandene Rockmusiker sind, die sich in den verschiedensten Acts bereits einen Namen machten, spielen sie stets banddienlich und stehen absolut 100%ig hinter ihrer Chefin. Und die lässt ihnen dafür aber auch genug Freiräume, die Gitarristen toben sich in teils sehr langen Solos aus und auch der Drummer durfte nach Lust und Laune sein Drum-Solo darbieten, lautstark angefeuert von den Fans im gerammelt vollen „Conrad Sohm“! Und ihre Band spielt sehr solide, keinen Firlefanz und keine Experimente, der
Doro
-Sound wird lässig und amtlich rübergebracht, manchmal etwas modernerer Metal, aber immer stets an der Grenze zum True Classic Metal. Das lieben die Fans, denn
Doro
hat sich nie irgendwelchen Trends angebiedert oder ihren Stil „verraten“ – sie ist sich immer treu geblieben. Und dieses Feeling transportiert aber auch ihre Band. Aber alles schön der Reihe nach…
Da hätte wir mal den Drummer der Band: Johnny Dee , der Amerikaner, der mit seiner Band Britny Fox mal sehr erfolgreich war, bevor er zu Doro kam. Auch bei Waysted spielte der Drummer früher und Berichte über ihn füllen seitenweise internationale Drummer-Magazine. Das ist aber auch kein Wunder, Johnny Dee trommelt sehr souverän und ist quasi der Motor der Band, das Rückgrat. Er spielt sehr solide, immer mit Punch und verleiht der Band den nötigen Kick. Auch im „Conrad Sohm“ sorgte er für mächtig Druck und exaktes Timing. Beim Solo stellte er mühelos unter Beweis, welch exzellenter Drummer er doch ist und durch seine Interaktionen mit dem Publikum bewies er zusätzlich Entertainer-Qualitäten! Well done!
Den zweiten Part des Rhythm-Fundaments bildet der Bassist
Nick Douglas
, der auch Backing Vocals beisteuert. Der Amerikaner ist bereits seit 13 Jahren in
Doro
’s Band und somit der Dienstälteste. Neben
Doro
war/bzw. ist er auch noch in den Bands
Cycle Sluts From Hell
,
Blaze Bayley
(Ex-
Iron Maiden
),
Chris Caffery
(
TSO
,
Savatage
) und
Deadly Blessing
zu hören. Nick begeistere nicht nur durch sein erdiges Bass-Spiel, sondern auch durch den Fun, den er auf der Bühne zur Freude des Publikums verbreitet.
An den Keyboards brachte
Doro
ins „Conrad Sohm“ den Amerikaner
Harrison Young
mit, der mit u.a.
Earth Minor
bekannt wurde. Darüber hinaus hat er sein eigenes Projekt
The Harrison Young Quartet
erfolgreich am Start. Harrison steuert nicht nur astreine Keyboardparts bei, er ist auch ein hervorragender Sänger und zu Beginn des Konzerts stellte er auch gleich mal unter Beweis, dass er auch locker den nächsten Klitschko-Boxkampf ansagen könnte, so dermassen peitschte er das Publikum an!
Dann hätten wir da noch die beiden Gitarristen, die ebenfalls amtlich und solide abrocken, dass es eine wahre Freude ist! Der Holländer
Bas Maas
mit seiner langen Heavy Metal-Mähne sorgt nicht nur für kantige und knackige Riffs, er steuert auch wirklich hörenswerte Leadguitar-Parts bei. Und wenn er nicht gerade mit
Doro
unterwegs ist, treibt er die Karriere seiner eigenen Band
Rock Justice
voran. Auch er beteiligt sich an den Backing Vocals.
Der andere Gitarrist in der Band ist der Italiener
Luca Princiotta
, der auch schon mit
Blaze Bayley
zu hören war und für die Bands
Garbo
,
Mainstream
und
Clairvoyants
in die Saiten griff bzw. greift. Auch er ein Meister seines Fachs, fette Riffs und blitzschnelle Solos sind seine Spezialitäten. Und auch er singt für
Doro
Backing Vocals.
Doro selbst überzeugt auf der ganzen Linie nicht nur als Sängerin. Klar, die Rockröhre singt sich souverän durch ihr Programm und hat ihr Publikum zu jeder Sekunde fest im Griff, aber es sind ihre Geschichten zwischen den Songs, die sie zusätzlich sympathisch machen. Diese Stories aus ihrem Leben, ihrer Karriere, aus 30 Jahren Rock’n’Roll, kommen immer ehrlich und locker rüber. Doro hat ein Gespür für ihre Fans, gibt ihnen nicht nur alle Hits, sondern kramt tief im Songarchiv und spielt fast jeden Abend auf der laufenden Tour ein abgeändertes Set, damit die Leute, die ihr nachreisen und fast jedes Konzert besuchen, nicht immer das gleiche Set hören. Ein weiterer Pluspunkt! Doro ist und bleibt die Metal-Queen, sie hat das auch an diesem Abend wieder eindrucksvoll untermauert! Tolle Frau, tolle Stimme, tolle Songs, tolle Band… und ein tolles Publikum!
Wir haben die Metal-Queen nach der Show für euch interviewt und auch da war sie nicht nur professionell, sondern unblaublich liebenswürdig und redselig. War nett und interessant, mit ihr 30 Jahre Doro & Rock’n’Roll Revue passieren zu lassen! Das Interview gibts demnächst hier auf She-Wolf!
Live Review by Jana Wolf & Tom Proll